Merapi Erstbesteigung

Was muss man auf sich nehmen, um den Sonnenaufgang auf einem der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Welt erleben zu können? 1400 Höhenmeter, eine schlaflose Nacht und tropische Hitze gefolgt von eisiger Kälte. Aber das war es definitiv wert.

Ein Hausvulkan will auch bezwungen werden. Nachdem wir den Merapi zuvor aus sicherer Entfernung und verschiedenen Perspektiven begutachtet hatten, haben wir uns dazu entschlossen, den Vulkan näher unter die Lupe zu nehmen.

Dazu ließ sich unsere sieben Mann und Frau starke Truppe von einem Fahrer nach Selo  – am Nordhang des Merapi – chauffieren. Abgeholt wurden wir am Freitag um 22:00 Uhr, dann ging es in einer zweistündigen Fahrt um den Vulkan herum. Der versprochene zusätzliche Sitz – um uns alle in ein Auto zu bekommen – entpuppte sich dabei als Polster, der zwischen zwei Sitze gequetscht wurde.
In Selo angekommen, gab es für jeden noch ein Glas Tee, bevor wir um 01:00 Uhr – zusammen mit einer weiteren Gruppe – mit dem Aufstieg begannen.

Der Guide legte gleich zu Beginn ein strammes Tempo vor und so mussten nach dem ersten Abschnitt – 1,5 km und 200 Höhenmeter – zwei Team-Mitglieder zurückgelassen werden.
Danach wurde das Tempo etwas reduziert, allerdings war es notwendig, einen engen Zeitplan einzuhalten, um rechtzeitig vor Sonnenaufgang den Kraterrand zu erreichen. Und so wurden die Pausen von Abschnitt zu Abschnitt kürzer. Und die Beine schwerer und schwerer.

Die letzte Steigung war dann auch die anstrengendste. Es wirkte fast so, als ob der Vulkan im letzten Moment noch versuchte, seine ungebetenen Gäste abzuschütteln. Mit jedem Schritt versank man mit den Schuhen in der Asche oder rutschte ein Stück zurück. Danach mussten wir ein sehr steiles Steinfeld hochklettern – was mit der Taschenlampe in der Hand eine ziemliche Herausforderung war – und gleichzeitig darauf achten, keine Steine loszutreten.
Zum Glück war es zu dunkel und die Lampen zu schwach, um das entfernte Ziel sehen zu können. So blieb uns nichts anderes übrig, als einen Fuß vor den anderen zu setzen und einen Stein nach dem anderen zu erklimmen.

Und dann war es endlich geschafft. Um 5:00 Uhr erreichten wir erschöpft aber glücklich den Rand des Vulkans.
Gerade rechtzeitig um die Dämmerung und den Sonnenaufgang in vollem Umfang genießen zu können. Auch Yogyakarta war am Anfang noch zu sehen, verschwand aber bald hinter einer dichten Mauer aus Rauch.

Wer sich unter einem aktiven Vulkan nur Fontänen aus Lava und fliegende Steine vorstellt, der wäre an dieser Stelle vielleicht enttäuscht gewesen. Der Merapi ist aber nichtsdestotrotz beeindruckend. Der Krater ist größer, als wir ihn uns vorgestellt hatten und man sieht die zerklüfteten Ränder nur hin und wieder, wenn die Sicht von Rauchschwaden freigegeben wird. Der Schwefelgeruch war nicht so schlimm wie befürchtet.

Insgesamt realisiert man in der einen Stunde, die man auf dem Gipfel verbringt, nicht so richtig, dass man sich auf einem aktiven Vulkan befindet und welche zerstörerische Macht damit verbunden ist. Erst wenn man einen Blick auf die tiefen Gräben wirft, die sich an den Vulkanhängen entlang bis weit in die Landschaft schlängeln, lässt sich erahnen, welche flüßige Kraft unter einem schlummert.

Wir haben übrigens kein Selfie gemacht. Wie jeder weiß, ist Selfie machen ein sehr gefährlicher Trend unter jungen Leuten. Besonders, wenn man dabei zu nah am Krater steht, wie letztes Jahr ein Student aus Yogyakarta traurigerweise unter Beweis stellte.

Um 6:00 Uhr begannen wir mit dem Abstieg. Dieser gestaltete sich zwar technisch einfacher, wurde aber aufgrund von müden Beinen und Schlafmangel auch immer anstrengender.

Das Aschefeld, dass uns zuvor das Leben schwer gemacht hatte, war beim Abstieg allerdings ein wahres Vergnügen.

https://youtu.be/6pMCnmZrvzk

Nach 3 Stunden erreichten wir den Ausgangspunkt in Selo, bekamen noch ein kleines Frühstück und wurden dann über holprige Straßen in Richtung Bett gefahren.
Dort haben wir dann von unserem nächsten Ausflugsziel geträumt, dem Mount Everest. Aber der liegt ja leider nicht in Indonesien.

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3 thoughts on “Merapi Erstbesteigung

  1. Super Bilder! Da ist man wirklich fast selbst dabei. Und das ganz gemütlich ohne Anstrengung auf und neben der Hängematte… 😉

    Video ist übrigens auf Youtube nicht freigeschaltet…

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