Erste Eindrücke

Jetzt sind wir zwar schon bald ein Monat in Indonesien, aber ein Blick zurück an den Anfang kann nicht schaden. Schließlich sind die ersten Eindrücke oft die intensivsten. Und manchmal auch die falschen. Wir werden sehen.

Dieser Beitrag ist übrigens etwas textlastiger, wer also zu faul zum Lesen ist, muss leider bis zum nächsten Bilderbucheintrag warten.

Klima
Aus dem Winter angeflogen kommend und noch im Fleece-Pullover, versetzt einem die feuchte Hitze einen Schlag ins Gesicht, sobald man die klimatisierte Flughafenhalle verlässt. So wie wenn man im Zoo das Tropenhaus betritt. Nur dass man es nicht so schnell wieder verlassen kann. Wir haben uns gefragt, ob wir denn die einzigen sind, die hier schwitzen wie ein Schwamm beim Duschen. Anscheinend. 
Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist. Hat man einmal die kurze Hose ausgepackt und die Schuhe gegen Flip-Flops getauscht, fängt man an, den Dauersommer zu genießen. 

Feuchtigkeit
Alles ist nass. Und bleibt es auch. Zumindest in der Regenzeit, die in unserer Gegend bis März/April dauern soll. 
Das haben wir erkannt, als unsere Wäsche nach drei Tagen noch immer nicht trocken war und inzwischen schon wieder so gestunken hat, dass sie noch einmal gewaschen werden musste. 
Auch das Bad ist dauernass. Nicht nur in der Dusche sondern überall. Jedes Bad und Klo (das wir bis jetzt inspiziert haben) hat einen eigenen Abfluss, schließlich wird es regelmäßig von oben bis unten abgespritzt.

Verkehr
Der Verkehr ist zu Beginn eine einzige Reizüberflutung. Gut, wenn man sicher im Auto (und nicht selbst am Steuer) sitzt, während Unmengen an Mopeds links und rechts an einem vorbeiflitzen und das Hupen zu einem durchgehenden Soundteppich wird. Es ist allerdings nicht zu vergleichen mit diesem penetranten, wütenden Hupen, das man von heimischen Straßen kennt. Mehr ein kurzes Tüt als ein langes Määääääp. Als freundlicher Hinweis, dass man gleich überholt wird, sich nicht von der Stelle rühren (oder in genau derselben Geschwindigkeit in genau dieselbe Richtung weiterbewegen) soll, oder als Gruß an zwei Weiße die verunsichert am Straßenrand stehen. 

Fortbewegung
Indonesier gehen nicht gerne zu Fuß. Schon gar nicht, wenn man mit dem Moped fahren kann. Dementsprechend sind Gehwege eine Seltenheit und zu Fuß am Straßenrand entlanggehen eine unentspannte Angelegenheit. 
Auch das Queren von Straßen ist eine Kunst für sich. Wir haben gelernt, dass es keinen Zweck hat zu warten, bis sich eine Lücke im Verkehr finden lässt. Es lässt sich keine Lücke im Verkehr finden. Oder nur selten. Man muss sich seine Lücke selbst schaffen. Also einfach mit konstanter Geschwindigkeit losmarschieren. Der Verkehr fließt um einen herum wie das Wasser um einen Stein. 
Diese Erfahrung hat uns auch die Angst vor dem zu-Fuß-Gehen am Straßenrand genommen. So einschüchternd der Verkehr zu Beginn auch wirkt, die Fahrer sind an Hindernisse gewöhnt und passen sich dementsprechend an. 

Muezzine
Als Staat mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung, dürfen natürlich auch die Muezzine nicht fehlen. Anstatt vom Minarett, rufen sie inzwischen durch aufgestellte Lautsprechergerüste fünfmal täglich zum Gebet. Da jedoch jeder Lautsprecher seinen eigenen Muezzin beherbergt, weiß man gar nicht, welchem man nun lauschen soll. Manchmal scheint es so, als gebe es einen regelrechten Wettkampf, welcher Lautsprechermuezzin der schnellste oder lauteste ist. Mit der Zeit werden die Gebete immer mehr zu einem Hintergrundgeräusch. Nur ab und zu reißen einen die Rufe um halb 5 Uhr morgens noch aus dem Bett. 

Essen
Das Erste, was einem ins Auge fällt, sind Gabel und Löffel. Dass in Indonesien nicht mit Stäbchen gegessen wird, haben wir schon geahnt. Aber dass hier so gut wie alles nur mit Löffel und Gabel bearbeitet wird, war uns neu. Messer braucht man nur für dieses verrückte westliche Essen.
Als zweites bekommt man die Schärfe zu spüren. Gut, keine Überraschung. 
Und als nächstes den Hunger. Denn der kommt relativ schnell wieder (wenn er überhaupt weg war). Die Portionen erinnern eher an einen kleinen Snack zwischendurch, vor dem Fernseher oder auf dem Weg zwischen Küche und Couch. 
Das gibt einem aber wiederum die Möglichkeit, sich durch die halbe Speisekarte zu arbeiten – ohne dabei pleite zu gehen. Und bis jetzt haben wir noch kaum etwas gefunden, dass uns nicht geschmeckt hätte. 
Das Hauptnahrungsmittel neben Reis scheint Hühnchen zu sein. Wir haben mit Sicherheit schon einen ganzen Hühnerstall verspeist. Wobei die Hühner hier nicht in Ställen leben, sondern kreuz und quer über die kleinen Straßen und Gässchen marschieren. 
Da sich im Leben so gut wie alles ums Essen dreht, wird sicher noch der ein oder andere Post zu diesem Thema folgen. 

Promifeeling
Man sollte sich schnell daran gewöhnen, angestarrt zu werden. Als weißer Ausländer ist man hier eine Attraktion, wie Promis in der Heimat. Besonders in Gegenden, wo kein Massentourismus herrscht. Das äußert sich durch Starren, Hupen, Lachen oder indem man angesprochen und gelegentlich um ein Foto gebeten wird. 
Nur in touristischen Gegenden ist es manchmal schwer zu unterscheiden, ob man als Exot betrachtet wird, der neugierig begutachtet werden muss, oder als wandelnder Geldbeutel, der sich übers Ohr hauen lässt. 

Geld
Man fühlt sich richtig reich hier. Nicht nur, weil man schnell Millionen ausgegeben hat (1€ ~ 15.000 IDR) sondern auch, weil das Preisniveau extrem niedrig ist. Besonders beim Essen. An einem Warung (Straßenlokal) bekommt man schon für ca. 0,50€ eine Schüssel Nudeln mit – was sonst – Hühnchen. 
Als wir einmal in ein Einkaufszentrum fahren wollten – wie jeder gute Tourist musste ich mir gleich zu Beginn eine Krawatte besorgen – haben wir uns per App ein Taxi gerufen. Dieses brauchte 40 Minuten zu uns und dann nochmal eine Stunde bis zur Mall. Das hat uns dreiste 6€ gekostet. 

Jobs
Es gibt gefühlt für alles und jeden einen Job. Ob in mehrfacher uniformierter Ausführung diverse Einfahrten, Ausfahrten, Parkplätze oder andere nicht erkennbare Dinge bewacht werden müssen oder Pools geschrubbt, Tafeln gewischt, Pflanzen bewässert (in der Regenzeit) und Verkehrsteilnehmer aufgehalten werden sollen, es gibt immer was zu tun. 

Soweit unsere ersten Eindrücke. Zu dem ein oder anderen Thema wird es bestimmt noch Ergänzungen und neue Erkenntnisse geben und somit weitere Blogeinträge.

One thought on “Erste Eindrücke

  1. Schöner Bericht! Ich freue mich über schöne Bilder aber ich mag es auch textlastig 😉 Das mit dem Überqueren der Straße erinnert mich sehr an mein erstes Mal in China: Panta rei – alles fließt, das ist das Erstaunliche. Man darf nur keine ruckartigen Bewegungen machen, sondern muss immer schön berechenbar bleiben… 😉

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