Bali

Wir können ja schlecht aus Indonesien zurückkommen, ohne auf Bali gewesen zu sein. Schließlich ist das oft das erste – und manchmal auch einzige – das mit Indonesien in Verbindung gebracht wird. Und so nutzten wir Anna’s Schulferien und eine kleine Lücke in meinem Prüfungskalender, um einen Kurztrip auf die bekannte Insel östlich von Java zu machen. Begleitet wurden wir von Ulla, einer Freundin aus Österreich.

Kaum hatten wir einen Schritt aus der Ankunftshalle gemacht, wurden wir schon von einer ausgehungerten Horde Taxifahrer umzingelt, die sich nicht abwimmeln ließ und uns wie ein lästiger Schwarm Mücken bedrängte und verfolgte. Unser Plan war, das Flughafen-Areal zu verlassen und anschließend ein günstigeres Transportmittel zu finden. Doch den ganzen Weg über lauerte uns ein aufdringlicher Taxifahrer nach dem anderen auf.
Endlich außerhalb des Geländes, hielten wir das nächste Taxi auf, nur um festzustellen, dass es dieselbe Abzocke war. Wie uns später erklärt wurde, handelt es sich dabei um eine regelrechte Taxi-Mafia, die originale Taxi-Unternehmen imitiert und den Ankömmlingen das Geld aus der Tasche zieht. Und wehe dem echten Taxifahrer, der es wagt, einen Fahrgast vom Flughafen mitzunehmen.
Wir haben dann eine etwas günstigere Variante gefunden und unsere erste Nacht in einer bescheidenen Unterkunft in Kuta verbracht. Die Stadt mit ihrem kilometerlangen Strand ist beliebt bei Surfern und bekannt für exzessive Parteys. Quasi das australische Pendant zu Malle und Ibiza. Wir hatten seit unserer Abreise im Februar nicht mehr so viel weiße Haut auf einem Haufen gesehen.

Bevor es am nächsten Vormittag mit dem Schnellboot auf die kleine Insel Lembongan, östlich von Bali, gehen sollte, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Strand von Kuta. Während uns am Weg dorthin alles mögliche angedreht werden wollte, konnte man am Strand keine fünf Meter gehen, ohne den nächsten Surfkurs machen zu müssen.

Umso angenehmer war die Ruhe, als wir nach einer halbstündigen Überfahrt das weniger überlaufene Lembongan erreichten.

Dort lässt sich auch eine günstige Unterkunft mit Pool und Meerblick finden, wenn man den Sandstrand gegen Felsen tauscht und bereit ist, ein paar Schritte zu gehen.

Das taten wir dann auch gleich und erkundeten die südwestliche Küste der Insel.

Am Rückweg stellte sich uns auf einem kleinen Pfad ein Waran in den Weg, schreckte sich aber so sehr, dass er schleunigst davonwackelte und im Gebüsch verschwand. Leider war er zu schnell für die Kamera.
Den Abend verbrachten wir mit Blick aufs Meer und die Ostküste Balis.

Am Freitag buchten wir einen Schnorcheltrip und wurden von einem alten Seemann mit seinem Jukung – einem ursprünglich balinesischen Fischerboot mit hölzernen Auslegern – zu zwei Spots geschippert. Der erste lag zwischen der östlichen Spitze Lembongans vor einem Mangrovenwald und der nördlichen Küste Penidas. Unsere Entdeckung dort war eine Meeresschildkröte und eine Gruppe großer, für unser ungeschultes Auge, undefinierbarer Fische.
Am zweiten Spot, nördlich von Lembongan, war das Wasser etwas seichter und wir konnten uns von der Strömung an den Korallen vorbeitreiben lassen.
Insgesamt ein sehr gelungener erster Schnorchel-Ausflug.

https://www.youtube.com/watch?v=IZeWeWu0BJQ

Vor unserer Rückfahrt auf die Hauptinsel Bali am späten Nachmittag, blieb uns noch ein bisschen Zeit, in der Unterkunft zu entspannen und ein paar Fotos meiner alten Freunde zu machen – den Wellen.

Unser Ziel war Ubud, das angeblich kulturelle Zentrum Balis. Dazu hatten wir einen Fahrer gebucht, der uns von der Anlegestelle abholen sollte. Als wir mit dem Schnellboot dort ankamen, teilte uns der Ansprechpartner des Bootsunternehmens mit, der Fahrer habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass er leider nicht kommen könne. Als Alternative schlug er uns vor, mit einem seiner Fahrer mitzufahren.
Wie sich ein paar Minuten später herausstellte, als wir schon im Auto unseres Ersatzfahrers saßen, war das eine dreiste Lüge. Der eigentlich Fahrer rief uns an und war fuchsteufelswild. Sehr emotional – für Indonesier eher ungewöhnlich – erklärte er uns, dass er extra aus Ubud hierhergefahren sei und sicher nicht mit leeren Händen wieder zurückfahren werde. Wir versuchten ihm klarzumachen, dass wir selbst hinters Licht geführt wurden, die Aussage des Bootsmannes aber durchaus plausibel klang, schließlich hatten wir dem Fahrer zuvor das Bootsunternehmen, die Zeit und den Anlegeort mitgeteilt und es ist durchaus üblich, dass sich Fahrer und Anbieter diverser Aktivitäten untereinander absprechen und Aufträge austauschen. Wir hätten damit gerechnet, dass sie zusammenarbeiten, um Touristen über den Tisch zu ziehen. Aber dass sie sich gegenseitig das Leben schwer machten, war uns neu.
Wir wechselten schließlich von einem Fahrer zum anderen, nachdem wir mit beiden und diese untereinander gesprochen hatten und fuhren mit unserem eigentlichen Fahrer nach Ubud. Als wir uns ausgesprochen hatten, entpuppte sich Gede als verlässlicher, korrekter Kerl, mit dem man sich gut unterhalten konnte und der uns viel über Bali erzählte. So lockten die Massen an Touristen jede Menge dubioser Gestalten auf die Insel, die hier leichte Beute witterten. Er hatte schon mehrere Zwischenfälle dieser Art erlebt und das machte ihn jedes Mal aufs Neue wütend. Gede wies uns auch noch auf ein paar andere Tricks hin und wir wussten, dass wir auf Bali besonders misstrauisch sein mussten. Eine traurige Umstellung zu Yogyakarta und Umgebung.

Am nächsten Tag hatten wir einige Ziele auf unserer Liste.
Das erste war ein Affenwald voller frecher Makaken. Nicht der überlaufene und überteuerte direkt in Ubud, sondern eine halbe Stunde westlich.

Die nächste Station waren die Reisterrassen von Jatiluwih. Wir entschieden uns für einen ausgedehnteren Spaziergang durch die Reisfelder und entkamen so relativ schnell den anderen Besuchern.

Leider deuteten die dunklen Wolken, die an den Hängen der nahen Vulkane aufzogen, nichts Gutes an. Genau dort lag unser nächstes Ziel, der hinduistische Wassertempel “Pura Ulun Danu Bratan”. Er ist eines der Wahrzeichen von Bali, so ziemlich das erste Ergebnis einer Bildersuche und auf dem 50-Tausender-Schein verewigt.
Der Tempel liegt auf 1200m an einem Vulkansee, was uns an diesem späten Nachmittag nicht gerade recht kam. Ohne entsprechenden Schutz waren wir dem Regen hilflos ausgeliefert und während wir die kurvigen Straßen bergauf fuhren, drang das Wasser immer tiefer vor. Völlig durchnässt und durchfroren kamen wir oben an, wo gerade Scharen von Schulkindern fröhlich aus ihren warmen und trockenen Bussen stiegen. Ich hatte noch eine Badehose und ein T-Shirt im Rucksack, Anna und Ulla besorgten sich bei den unzähligen Souvenirständen trockene Kleidung – was erklärt, warum die beiden auf dem Foto aussehen wie echte Indonesierinnnen – und so waren wir zumindest für einen kurzen Besuch gerüstet.
Mehr braucht man dort auch nicht. Mit dem idyllischen, verlassenen Tempel, an einem einsamen, nebelverhangenen See, wie man es von Bildern kennt, hat das dort wenig zu tun. Es ist alles eine Frage der Perspektive.

Und so gaben wir uns bald der Kälte geschlagen und schwangen uns wieder auf die Mopeds, die uns Meter für Meter zurück in die Wärme brachten.

Am nächsten Morgen nutzten wir die verbleibende Zeit, um Ubud auch einmal bei Tag zu sehen, bevor es zurück zum Flughafen gehen sollte. Die Kleinstadt ist Pilgerort für viele Backpacker und inzwischen auch immer mehr Pauschaltouristen. Auf uns wirkte Ubud ein wenig wie ein künstlicher Themenpark, in dem den Besuchern etwas vorgegaukelt wird. Mag sein, dass wir der Stadt unrecht tun, aber die stylishen, sauberen und klimatisierten Läden, die so gar nicht den typischen indonesischen Geschäften entsprechen, gepaart mit internationalen Marken-Stores, scheinen einzig und allein darauf ausgelegt, den Geldbeutel der Besucher noch etwas weiter zu öffnen, anstatt einen Einblick in die Kultur zu vermitteln. Verstärkt wird der Eindruck noch durch ein Hotel nach dem anderen, ein westliches Lokal neben dem anderen und eine Bar lauter als die andere. Man beginnt zu zweifeln, was an dieser Stadt echt ist und was nur für Touristen gebaut und gespielt. Tragen die Einheimischen wirklich so oft traditionelle Kleidung wie es den Anschein hat? Und sind es überhaupt echte Menschen oder Angestellte des ubudianischen Tourismusverbandes?

Alles in allem war es ein sehr schöner und erlebnisreicher Ausflug nach Bali und es war gut, sich selbst ein Bild von dieser bekannten Urlaubsdestination machen zu können. Die Insel bietet eine Vielzahl abwechslungsreicher Möglichkeiten, von Surfen und Feiern über Relaxen und Sonnenbaden bis zur Erkundung von Natur und Kultur.

Man sollte Bali aber nicht mit Indonesien gleichsetzen. Vieles hat sich durch den Massentourismus verändert und die Insel hat in ihren viel besuchten Regionen – soweit wir das in der kurzen Zeit, durch den Vergleich mit Java und Gesprächen mit Indonesiern beurteilen können – stark an Authentizität verloren. Was uns am meisten verärgert hat und unser Bild der Insel am stärksten prägt, sind die unzähligen Abzocker und Übers-Ohr-Hauer, die dafür sorgen, dass man allen Einwohnern mit Misstrauen begegnet und immer nur vom Schlechtesten ausgeht.

Da war es richtig erholsam, wieder im guten alten Yogya zu sein. Und wie zum Beweis, kam am Tag unserer Rückkehr ein junger Indonesier in einem kleinen Supermarkt auf mich zu und überreichte mir meine Kreditkarte, die ich einige Minuten zuvor im Bankomaten vor dem Geschäft vergessen hatte.

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3 thoughts on “Bali

  1. Es ist wirklich richtig schade, dass die Schönheiten der Insel Bali durch den Fremdenverkehr so verdorben wurden. Trotzdem gut, dass ihr das alles gesehen und erlebt habt!

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