Schule

Viele von euch haben sich vielleicht schon gefragt, was ich (Anna) eigentlich in Yogyakarta mache. Neben den vielen spannenden Unternehmungen habe auch ich einen arbeitsreichen Alltag. Diesen verbringe ich von Montag bis Donnerstag in einer kleinen internationalen Schule, der Jogjakarta Community School.

Arbeitsbeginn war der 9. Februar, also direkt nachdem wir in Jogja angekommen sind. Am ersten Tag wurde ich in der täglichen Dienstbesprechung allen KollegInnen vorgestellt und durch das Schulgebäude geführt. Besonders die westlichen Eltern kamen direkt auf mich zu, um mich willkommen zu heißen und sich nach meinem Herkunftsland zu erkundigen. Den Kindern wurde ich als die neue Lehrerin “Ibu Anna” präsentiert. Ibu bedeutet auf indonesisch “Frau”. Die Kinder meinten, dass ich gar nicht aussehe wie eine Ibu, freuten sich aber dennoch über meine Anwesenheit. Bei der Frage nach meiner Herkunft, erklärte mir einer der Schüler stolz, dass er schon in Australia war. Der Unterschied zwischen Australia und Austria war schwer zu verstehen für ihn.

Allgemeines über die Schule
In der Schule werden derzeit insgesamt ca. 50 SchülerInnen in den Klassen EYFS -Early Years Foundation Stage, Lower Primary, Upper Primary und Secondary unterrichtet. Die SchülerInnen sind zwischen 3 und 17 Jahre alt. Mit Ausnahme der EYFS sind alle KlassenlehrerInnen aus Australien oder Neuseeland, die durch indonesische LehrerInnen unterstützt werden. Der Unterricht findet von 8:00 bis 14:30 Uhr statt und von 14:30 bis 15:30 Uhr können die SchülerInnen an After School Activities teilnehmen. Viele stammen aus gemischten Familien, das heißt ein Elternteil ist aus Indonesien, ein Elternteil aus einem anderen – meist westlichen – Land. Bei einigen stammen aber auch beide Elternteile aus dem Ausland oder beide aus Indonesien. Alle SchülerInnen sind in die drei “Häuser” Nakula, Sadewa und Srikandi eingeteilt, was ein bisschen an Harry Potter erinnert. Die SchülerInnen sammeln mit unterschiedlichen Dingen Punkte für ihre “Häuser” z.B. wer am Mittwoch (Waste Free Wednesday) keinen Müll mitbringt, für besonders gute Leistungen usw. Am Ende jedes Semesters finden Wettkämpfe zwischen den “Häusern” statt. Ein Schwerpunkt der Schule ist es, Müll zu vermeiden und zu trennen. Der durch die Schüler getrennte Müll wird anschließend verkauft.

Meine Klasse
Nach einer Einführungswoche, in der ich den Unterricht aller Klassen und Altersstufen besuchen durfte, begann ich meine Tätigkeit in der EYFS (Early Years Foundation Stage). Die Kinder sind hier in Preschool und Reception eingeteilt. Derzeit ist es eine überschaubare Anzahl von neun SchülerInnen, zwischen 3 und 4 Jahren alt. Vier davon sind Koreaner, was manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten führt, weil deren Englisch noch nicht so gut und mein Koreanisch eher schlecht ist.

Ich arbeite mit zwei indonesischen Lehrerinnen in dieser Klasse. Mein Tag beginnt um 7:00 Uhr mit Vorbereitungsarbeiten. Punkt 7:30 Uhr läutet die Glocke zur Dienstbesprechung, danach trudeln langsam die SchülerInnen ein. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr mit zwei Tanzvideos zu denen alle SchülerInnen gemeinsam in der Halle der Schule tanzen. Danach gehen alle SchülerInnen in ihre Klassen.

Die Kinder haben auch schon in der EYFS, im Gegensatz zu Kindergartenkindern bei uns, einen durchgeplanten Stundenplan, der Englisch, Mathematik, Turnen, Kunst,  Sachunterricht und vieles mehr beinhaltet. Einige Eltern stellen sehr hohe Ansprüche an ihre Kinder und werden ungemütlich, wenn ihr vierjähriger Sohn immer noch nicht fließend lesen kann. Die gesamten Aktivitäten sind stark strukturiert, mit meist sehr genauen Vorgaben und es findet weniger freies Spielen statt als bei uns. Ein Beispiel hierfür ist der “Discovery Table”, der jeden Morgen für die Kinder vor dem Klassenzimmer bereit steht. Unter “Discovery Table” habe ich mir vorgestellt, dass den Kindern Materialien zur Verfügung gestellt werden, mit denen sie experimentieren dürfen und Dinge selbst entdecken können. Nicht ganz.
Der Satz einer Lehrerin in diesem Zusammenhang verdeutlicht, wie es hier verstanden wird: “I show you how to play”.

Ein weiterer Unterschied zu Kindergärten bei uns ist, dass es hier kaum Spielsachen gibt und die typischen Bereiche Puppenecke, Bauecke, Malbereich usw. nicht existieren. Der Klassenraum wäre auch viel zu klein dafür. Die beiden Lehrerinnen sind allerdings sehr engagiert, den Kindern viele unterschiedliche Aktivitäten anzubieten und sie investieren dementsprechend viel Zeit in die Vorbereitung.
Neben meinem eigenen Projekt – derzeit zum Thema Zahngesundheit und gesunder Ernährung – unterstütze ich die anderen beiden Lehrerinnen bei den restlichen Stunden und Vorbereitungen. Zusätzlich biete ich Dienstag Nachmittag die After School Activity “Fun Gym/Fun PE” (Kinderturnen) an.

Die Arbeit in der Schule bereitet mir viel Spaß und gerade die genannten Unterschiede machen es spannend für mich. Jeden Tag ist mit neuen lustigen Ereignissen zu rechnen.
Zur Zeit befinden wir uns beispielsweise noch in der Regenzeit. Häufig müssen Kübel untergestellt werden, an den Stellen wo das Schuldach nicht ganz dicht ist und meist fällt der Strom in Intervallen für einige Minuten aus.
Auch die Kinder stellen immer wieder Unterschiede zwischen mir und den beiden indonesischen Lehrerinnen fest. Dies könnte auch der Grund sein, warum sie anfangs meinten, dass ich gar nicht aussehe wie eine Ibu. Derzeit haben wir beispielsweise das Thema  Doktor. Als eine der beiden indonesischen LehrerInnen den Kindern das Stethoskop zeigte und erklärte wie es funktioniert, meinte eines der Kinder, dass nur Ibu Anna das verwenden könne, weil die anderen beiden Lehrerinnen ja gar keine Ohren hätten. Dass deren Ohren nur durch das Kopftuch verdeckt sind, wollte sie nicht glauben. Ihrer Meinung nach bin ich also ihre einzige Lehrerin mit Ohren und Haaren.

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4 thoughts on “Schule

  1. Liebe Anna, das ist ein sehr schöner Einblick in deinen Arbeitstag, obwohl du uns ja schon so vieles mehr per skype erzählt hast! Und dass Kinder einfach wunderbar und die einzige Chance für die Zukunft unseres Planeten sind, weil sie die unlogischen Dinge einfach klar erkennen, bevor wir Verwachsenen ihnen mit unseren Regeln den Blick verstellen, zeigt ganz klar die Ohren-Haare Geschichte 🙂

  2. Das hast du sehr gut geschildert! Freu mich, wenn öfters mal was aus deiner Arbeitswelt erzählst!

  3. Liebe Anna. Spät aber doch: ich finde es super dass du diesen Job angenommen hast und bin mir sicher, dass ihr (die Kinder und du 🙂 ) einiges gelernt habt…

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