Höhle, Fluss & Meer #2

Teil 2 unseres Trips führte uns an die wilde Südküste Javas. Den Gerüchten zufolge kann man hier weder schwimmen noch surfen, weil die Strömungen zu stark und die Wellen zu hoch sind. Wir stellten uns daher darauf ein, den Strand entlang zu spazieren und die Brandung aus sicherer Entfernung zu beobachten. Wie es sich für Anfang März gehört.

Am ersten Strand – Pantai Baron – angelangt, stellten wir fest, dass das mit dem Nicht-Baden doch nicht so genau genommen wird. Aber Schwimmer waren wirklich keine – oder keine mehr – zu sehen. Die größtenteils indonesischen Touristen planschten im seichten Wasser.
Noch im Landmodus steckten wir nur kurz die Zehen ins Wasser, um die Temperatur zu überprüfen und machten uns auf den Weg zu einem Felsen, der die Bucht einschließt. Für ein paar Stufen wackeliger Holztreppe musste jeder einen kleinen Beitrag bezahlen (2.000 IDR (~0,13€) wie für viele andere Kleinigkeiten).
Oben angekommen fiel uns der Leuchtturm ins Auge und für einen weiteren kleinen Betrag (20k IDR) durften wir ihn auch gleich erklimmen. Nicht ganz den gewohnten Sicherheitsvorkehrungen entsprechend, führten ein paar Wendeltreppen und eine Leiter bis ganz nach oben. Der Ausblick lohnte sich auf jeden Fall.

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Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns auf den Weg zum nächsten Strand, um noch vor Einbruch der Dunkelheit eine Unterkunft zu finden. Am Pantai Slili wurden wir fündig und konnten für unschlagbare 2,70€ pro Person zu fünft in einem Zimmer schlafen. Direkt am Strand.

Nach dem Abendessen wollten wir uns noch Bier besorgen, um den Tag am Strand ausklingen zu lassen. Das ist in Indonesien nicht unmöglich aber sehr schwierig. Unser Host hatte uns zuvor den Weg zur nächsten Bierquelle beschrieben, die konnten wir aber nicht finden. Also klapperten wir die kleinen Stände am Straßenrand ab. Bei einem waren die Besitzer offensichtlich schon hinter dem Tresen zu Bett gegangen (Arbeitsplatz und Wohnort sind oft dasselbe), wurden aber durch unseren Durst geweckt. Das Geschäft seines Lebens witternd, schwang sich der Besitzer – nur mit einem Handtuch bekleidet – auf sein Moped und düste davon. Ein paar Minuten später kam er – leider mit leeren Händen – wieder zurück. Er bot uns stattdessen Anggur Merah an, was sich verdächtig nach dem selbstgebrannten Fusel anhörte, von dem man immer wieder in der Zeitung liest, und der nicht nur blind sondern auch tot machen kann. Erst am nächsten Tag fanden wir heraus, dass es sich dabei um Rotwein handelte. So oder so war es wohl besser, dass wir dankend abgelehnt haben. (Wir haben am nächsten Abend im Gegenzug eine Runde Eis konsumiert)

Die Kombination aus sternenklarem Himmel über uns, Gewitterwolken am Horizont, Strand und Wellen waren ideal für ein paar Langzeitbelichtungen.

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Nachdem wir gegen 4:00 Uhr früh von einer Horde Hähne hinter dem Haus geweckt wurden – die auch die nächsten Stunden darauf achteten, dass wir nicht mehr in den Tiefschlaf fallen – stärkten Anna und ich uns mit einer Kokosnuss und einer Srikaya (Zimtapfel), bevor wir mit den anderen das eigentliche Frühstück (Reis oder Nudeln) zu uns nahmen. Überhaupt war die Auswahl an Speisen an den Stränden etwas beschränkt und einheitlich. Jeder Stand hatte Fertiggerichte im Angebot, die auch so auf der Karte zu finden waren und stolz in der Auslage präsentiert wurden.

Die nächsten 2 Tage verbrachten wir an den umliegenden Stränden. Auch hier waren keine Schwimmer zu finden, sondern nur badende Menschen im seichten Wasser, Schnorchler und Surfer. Wir haben uns zwei Bodyboards ausgeliehen (verkürztes, weiches Surfbrett, auf dem man im liegen fährt) und uns voller Vorfreude in die Wellen gestürzt. Allerdings war das Wasser so seicht und die Wellen so stark, dass man sich regelmäßig Hände, Knie oder Füße am steinigen Untergrund angeschlagen hat und Angst haben musste, von der nächsten Welle auf einen Stein geschleudert zu werden. Zum Surfen sind andere Strände Indonesiens eindeutig besser geeignet.

Was hier besonders auffällt, sind die Badegewohnheiten der anderen Touristen. Hauptsächlich handelt es sich um Indonesier, die für einen Tagesausflug in Bussen angekarrt werden oder mit Auto und Moped anreisen. In voller Montur (ganz hartgesottene Exemplare sogar mit Socken und Flip-Flops), spazieren sie über den Strand und posieren in allen erdenklichen Stellungen für Selfies und Fremdies (was ist eigentlich das Gegenteil von Selfie? Eigentlich einfach ein normales Foto oder?). Die mutigen unter ihnen gehen dann auch mit Jean ins Wasser und die wirklichen Draufgänger legen vielleicht sogar eine Schicht Kleidung ab und baden mit T-Shirt und kurzer Hose. Auch die Männer tragen meist mehr als eine Badehose.

Am späten Sonntag Nachmittag machten wir uns auf den zweistündigen Heimweg, der von durchgehendem Regen begleitet wurde und diverse Verspannungen zur Folge hatte. Auf dem Pass, an dem wir bei der Anreise einen kurzen Zwischenstopp gemacht hatten, wurden wir von unserem Hausvulkan Merapi überrascht, der plötzlich aus den Regenwolken auftauchte.

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Auch wenn längere Fahrten mit dem Moped an den Kräften zehren (vielleicht gewöhnen wir uns auch einfach daran), entschädigen die Landschaften, die man zu Gesicht bekommt, für alle Strapazen. Besonders die Strände mit ihrer Kombination aus Sand, Felsen und saftig grünen Pflanzen sind trotz ihrer eingeschränkten Badetauglichkeit eine Reise wert.

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3 thoughts on “Höhle, Fluss & Meer #2

  1. Hey ihr Lieben, das ist ja wirklich ein sehr, sehr schöner Blog! Spannende Erzählungen und wunderbare Bilder – danke, dass ihr uns auch ein bisschen an euren Abenteuern teilhaben lässt! Habt noch eine schöne Zeit!

    Dickes Bussi aus Wien, desi

    PS: Wenn das nächste Mal Eilmeldungen über Erdbeben und Taifun-Warnungen die Runde machen – bitte einen Blogeintrag zum Thema “Es geht uns gut” verfassen 😉

  2. Ganz ein toller Blog, das macht ihr wirklich super. Witzig zu lesen und auf den Punkt gebracht. Auch die Fotos sind der Hammer. Freu mich wieder von euch zu lesen.

  3. Fotos und Bericht einmalig. Talentiert. Ich hoffe, es geht euch auf euren Ausflügen weiterhin gut!!

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